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Um den Flughafen
Berlin-Schönefeld vom militärischen Luftverkehr zu entlasten und
ausschließlich zur zivilen Nutzung zu verwenden, begannen die
Planungen zum Bau und zur Finanzierung eines Flughafens in
Sperenberg bereits 1957 mit schwierigen Verhandlungen zwischen der
DDR Regierung und der sowjetischen Generalität. Außer Sperenberg
wurden noch Standorte in Drewitz, Schönefeld und Rangsdorf
diskutiert. Man entschied
sich für ein etwa 3000 Hektar großen Gebiet bei Sperenberg, welches
schon von den königlich-preußischen Eisenbahnpionieren, der
Deutschen Raketenforschungsanstalt
der Wehrmacht und nach dem 2. WK von der Sowjetbesatzung zu
militärischen Übungs- und Forschungszwecken genutzt wurde.
Aufbau in Sperenberg:
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1. Bauabschnitt 1958-60
durch „Spezialbau Potsdam“ mit Unterstützung
durch Strafgefangene des Zuchthauses Brandenburg
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2. Bauabschnitt bereits im
Laufe der 60er Jahre
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3. Bauabschnitt 1972-74 mit
Dezentralisierung der Abstellflächen für Transportmaschinen.
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Ab September 72 laufende
Projektierung für Abstellflächen im NW-Teil durch
„Autobahnkombinat Potsdam“, Flugzeugwartungshalle durch „BMK-Ost
Brandenburg“ und Elektroanlagen durch „PGH Klausdorf“
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Am 1. Mai 1974
Fertigstellung des 3. Bauabschnitts
Mit Fertigstellung des
Flugplatzes war er Standort für das „Selbstständig-Gemischte
Fliegerregiment“ der sowjetischen Streitkräfte. Das Rufzeichen des
Flugplatzes war „CYBENIP“ (Souvenir). Die Start- und
Landebahn war 2600m lang und 53m breit, die gesamte Flugplatzfläche
umfasste 667 ha.
Die Belegung erfolgte zunächst
mit zweimotorigen Passagier- und Transportflugzeugen des Typs
Lissunow Li-2 und einigen wenigen
Iljuschin IL-14 Transportflugzeugen.
Mitte der 60er Jahre waren hier
stationiert: zwölf Li-2, zehn IL-14, zwölf
An-12, fünf
An-2
und zwanzig Hubschrauber des Typs
Mi-4.
Ab 1969 kamen auch modernere Typen, wie
An-24
und
An-26 sowie eine
Tu-134A hinzu.
Etwa Mitte der 70er Jahren wurde
auch eine Aufklärungsfliegerabteilung (39. ORAO / Selbständige
Aufklärungsfliegerabteilung) für die Fernmelde- und Elektronische
Aufklärung („FmEloAufKl“) stationiert. Dazu gehörten zwei
Spezialaufklärungsmaschinen vom
Typ IL-20, einige
IL-22 und
An-12 sowie Maschinen vom Typ
An-26 RTR. Außerdem
standen für Fotoaufklärung und diverse Überwachungsflüge
Hubschrauber vom Typ Mil
Mi-8
T, MT und T(K) bereit.
Von hier aus wurden dann für die
Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSTD/WGT),
deren Hauptquartier sich im nahe gelegenen Wünsdorf befand, Einsätze
im Rahmen der
FmEloAufKl gegen Ziele in Westdeutschland gestartet.
Der Flugplatz besaß zudem ein
unabhängiges Transportregiment, das mit
Antonov An-12BP, An-24 und
An-26B für allgemeine Transportaufgaben zuständig war. Hubschrauber
vom Typ Mi-8 und
Mi-24 gehörten auch dazu, einschließlich des
Mi-24RKR „Hind-G1“ NBC-Untersuchungmodells, das u.a. mit kleinen
Greifern ausgestattet wurde, um im Ernstfall Bodenproben für die
Auswertung der Strahlungs-, biologisch-, und chemischen
Verschmutzung zu sammeln. Außerdem wurde für den Kommandanten in
Wünsdorf eigens eine Tupolev
Tu-134A-3 in „VIP-Konfiguration“
bereitgehalten, die aber nicht sehr häufig flog.
Der Ablauf im Flugplatz wurde
bestimmt durch die Ausbildung von Piloten und Fallschirmspringern,
Verbindungsflüge zu anderen Staaten des Warschauer Vertrags im
Auftrag des Oberkommandos Wünsdorf sowie Transporte zum
Truppenaustausch oder der Stationierung von
Tu-16 bei Manöver.
Aeroflot
Il-76 und
An-22 Maschinen waren häufige Besucher in
Sperenberg, die zusammen mit
Il-18 und Tu-154 die täglichen
Personen-, Post- und Kurierflüge nach Moskau erledigten.
Als Besonderheit besaß der
Flugplatz auch ein ziviles Abfertigungsgebäude. Die sich um den
Flugplatz entwickelnde Wohnstadt mit eigener Infrastruktur,
20-Klassenschule, Großbäckerei, diversen Geschäften („Magazinen"),
Kindergarten, Poliklinik, Kino und täglicher Verkehrsanbindung nach
Potsdam, Wünsdorf und Moskau, beherbergte nach Insiderschätzungen
damals fast 5.000 Soldaten und Zivilangestellte. Sperenberg hatte
zu dieser Zeit etwa 2.200 Einwohner.
Zu dieser Zeit waren auf dem
Sperenberger Flugplatz folgende Typen stationiert:
Mi-2,
Mi-6,
Mi-8,
Mi-9,
Mi-24,
AN-2,
AN-12,
AN-24,
AN-26,
TU-134,
IL-20,
IL-22
Nachdem 1990 der Vertrag über
den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Deutschland
unterzeichnet wurde, begann die geordnete Rückführung der Westgruppe
1991 und endete 1994. Eine noch zu Beginn der 90er Jahre geplante
Verlängerung der SLB in Richtung West kam nicht mehr zur
Durchführung. Zum Abtransport der Militärgüter kamen zahlreiche der
damals größten Transportflugzeuge der Welt zum Einsatz. Dazu zählten u.a. die legendäre
Iljuschin Il-76, die
Antonow An-124
und sogar
Antonow An-22
wurden mehrfach in Sperenberg gesichtet.
Höhepunkt war die Verabschiedung
der Westgruppe am 27 Mai 1994 unter Teilnahme einiger
Mig-29. Am
Abend des 6. September startete eine An-12 als letzte Maschine der
russischen Luftstreitkräfte in Sperenberg. Somit war die
Bundesrepublik Deutschland ab 31. August 1994 frei von russischen
Truppen.
Schlussbemerkungen
Am 7. September 1994 erfolgte
die Übergabe des geschlossenen Flugplatzes an die deutsche
Verwaltung. Seit 1999 wurde erwogen, das sowjetische
Abfertigungsgebäude und den Kontrollturm unter Denkmalschutz zu
stellen. Danach war das Gelände bis 2006 „stille Reserve" der
Landesregierungen in Brandenburg und Berlin für den eventuellen Bau
des geplanten Großflughafens „Berlin Brandenburg International" (BBI).
Diese Maßnahme war die Hauptursache, dass in diesen mehr als 10
Jahren erwartungsvolle Investoren in unserer Region abgeschreckt
wurden.
Das ehemalige Militärgelände
in Sperenberg und Kummersdorf - Gut bietet mit seinen großen Flächen
an Wald, Wasser und Heide nicht nur eine reizvolle Natur. Es ist
gleichzeitig mit zahlreichen touristisch nutzbaren Relikten aus mehr
als 130 Jahren deutscher
Forschungs- und Militärgeschichte
ausgestattet.
Das verlassene Militärgelände
wurde von den verschiedensten Wachschutzbetrieben bewacht. Anfangs
rund um die Uhr, wurde dieser aber mit den immer knapper werdenden
Haushaltsmittel auf ein Minimum reduziert und schließlich
eingestellt. Als danach Diebstahl und Vandalismus erheblich
zunahmen, wurden wieder mehrere tägliche Kontrollfahrten eingeführt.
Den in den zurückliegenden
Monaten vielfältig angelaufenen Initiativen zur wirksamen
Entwicklung des Tourismus in der Gemeinde am Mellensee und besonders
auf dem ehemaligen Militärgelände wünscht auch der Förderverein
Heimatstube Sperenberg e. V. viel Erfolg.
Gerd Süsselbeck, Vorsitzender |